Schaffen wir die Klimawende ?

Klimabericht spricht von Herausforderung des Jahrhunderts

Der erste Teil des UN-Klimaberichtes über die dramatischen Folgen der Erderwärmung war Anfang Februar veröffentlicht worden und hatte weltweit Diskussionen ausgelöst. Während im ersten Teil die Erkenntnisse über die physikalischen Grundlagen des Klimawandels dargelegt wurden, gibt der zweite Teil einen Überblick über die Folgen des Klimawandels für Menschen und Natur. Der dritte Teil fasst wissenschaftliche Erkenntnisse darüber zusammen, wie sich die Folgen des Klimawandels abmildern lassen.

{mosimage}Dem Klimabericht zur Folge hat die Menschheit offenbar nicht einmal mehr 15 Jahre Zeit, um eine unumkehrbare Klimakatastrophe durch die rasche Einführung effizienter Technologien zu verhindern. Dies geht laut Medienberichten aus dem Entwurf des dritten Teils des UN-Weltklimaberichtes der Vereinten Nationen hervor. Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht spätestens bis zum Jahr 2020 substanziell abnähme, werde die Erderwärmung unumkehrbare Prozesse wie das Abschmelzen der Eisschilde an den Polen und die Übersäuerung der Ozeane in Gang setzen. Dann ist mit dramatischen Folgen für die Erde, wie z.B. Anhebung des Meeresspiegels, längeren Trocken- und Dürreperioden und extremeren Klimaänderungen zu rechnen.

1% des Welt-Bruttosozialproduktes für neue Technologien

16 Billionen Dollar (12,16 Billionen Euro) müssten in den nächsten 20 Jahren vor allem in CO2-reduzierende Technologien investiert werden. Die Wissenschaftler schlagen den Berichten zufolge ein ganzes Maßnahmenbündel vor. Dazu gehören der verstärkte Einsatz von Biokraftstoffen, Hybridfahrzeugen sowie neuer Atomkraftwerke. Daneben muß die Abholzung von Wäldern gestoppt und die Aufforstung intensiviert werden. Durch die Umstellung des Reisanbaus auf nicht mehr im Wasser wachsende Arten würde zudem weniger klimabelastendes Methan erzeugt. Dies bedeutet, dass sich die Weltgemeinschaft nicht mehr nur auf klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) konzentrieren dürfe. Stattdessen müsse eine "Multi-Gas-Strategie" auch die Zunahme von Methan, Lachgas und anderer Treibhausgase in der Atmosphäre eindämmen. Damit müssen die Maßnahmen zwar immer noch auf Alternativen zur umweltbelastenden Verbrennung bei Autos und Kraftwerken zielen. Aber auch die weitere Verbreitung von Methan und Lachgas, die großteils aus Viehhaltung, Nassreisanbau und Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft stammen, gilt es einzudämmen. Enorme Mengen Methan könnten auch freigesetzt werden und die Erdatmosphäre weiter aufheizen, wenn die Permafrostböden der Arktis auftauen. Wenn diese Treibhausgase stärker reduziert werden sollen, seien neben den Industriestaaten auch die Entwicklungs- und Schwellenländer in der Pflicht.

Eine wirksame Klimavorsorge sei volkswirtschaftlich tragbar und koste nur etwa ein Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts, sagte Achim Steiner, der Chef des UN-Umweltprogramms. Allerdings gelte dies nur, "wenn es uns jetzt gelingt, die richtigen politischen Maßnahmen zu ergreifen?, ergänzt der Potsdamer Klimaforscher Edenhofer, einer der Mitautoren des Klimaberichtes.

Auch nach Ansicht des WWF ist der sofortige Einstieg in die Reduktion der Gase wirtschaftlich sinnvoll. Es sei wesentlich billiger, jetzt zu handeln als später die Trümmer wegzuräumen, sagte Singer. Dabei ließen sich die vielen Toten durch stärkere Hurrikans oder mehr Dürren in Afrika gar nicht in Zahlen fassen. "Es gibt keinen Preis, zu dem der Klimawandel bezahlbar wäre", warnte Singer. "Egal, was es kostet, es lohnt sich."

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